Die Martin-Gallus-Kirche ist ein das evangelische Gotteshaus im Magdeburger Stadtteil Fermersleben. Entgegen üblicher Tradition trägt die Martin-Gallus-Kirche nicht den Namen eines Apostels oder Heiligen. Im Jahr 1928 stellte der Gemeindekirchenrat von Fermersleben beim Evangelischen Konsistorium den Antrag, die Kirche nach dem Rektor der Kloster-Berge-Schule und ersten evangelischen Prediger in Fermersleben zu benennen, Martin Hahn, latinisiert Gallus († 1581).

Geschichte

Auch in ihrem Erscheinungsbild hebt sich die Kirche von den anderen Magdeburger Kirchenbauten ab, denn ihr Kirchenschiff wurde in Fachwerkbauweise errichtet. Der querrechteckige aus Bruchsteinen gemauerte Westturm stammt noch von der Vorgängerkirche und geht wahrscheinlich auf das 12. Jahrhundert zurück. Er trägt ein Satteldach und ist an allen Seiten mit gotisch geformten Schallöffnungen versehen. Nach anderen Annahmen entstand die erste Kirche in Fermersleben erst zwischen 1380 und 1390. und war in Fachwerkbauweise ausgeführt. Die Kirche gehörte als Filialkirche zur Buckauer Gemeinde. Angaben zum Aussehen eines Vorgängerbaus liegen nicht vor. Man nimmt an, dass es sich um eine kleine Holzkirche handelte, die als Filialkirche eher den Charakter einer Kapelle hatte. Ein Patronatsname ist nicht überliefert. Als erster namentlich bekannter Pfarrer für Buckau und wohl auch Fermersleben ist (AlexanderSander überliefert, der in einer Urkunde über den Ankauf eines Grundstücks eines jüdischen Friedhofs in Buckau am 10. Februar 1383 erwähnt wird.

Am 23. April 1543 wandten sich die Bauermeister und die Gemeine von Fermersleben und Buckau an den Rat der Stadt Magdeburg mit der Bitte, dass sich Magdeburg beim auch weiterhin katholischen Abt des Klosters Berge dafür einsetzen solle, dass in den Dörfern die Reformation eingeführt werde. Eine Reaktion Magdeburgs hierauf ist nicht überliefert. Die Einführung der Reformation erfolgte jedoch zunächst nicht.

Wohl während des Schmalkaldischen Kriegs 1550/51 wurde das Kirchenschiff bei einem Brand zerstört. Da auch die Buckauer Kirche zerstört war, mussten die Fermersleber zum Gottesdienst bis zum Kloster Berge laufen. Seit 1561 war Peter Ulner Abt des Klosters Berge. Er beschloss, die zerstörten Kirchen nicht aufzubauen und die Einwohner dauerhaft zu Gemeindemitgliedern der Pfarrkirche des Klosters zu machen. Der in Halle (Saale) residierende Erzbischof Sigismund erteilte am 30. November 1563 hierzu seine Zustimmung und übertrug alle Rechte der Fermersleber Kirche auf die Kirche des Klosters Berge. Die Fermersleber klagten jedoch bereits während einer Kirchenvisitation im Jahr 1563 über die große Entfernung. Darüber hinaus wurde angegeben, dass die Bewohner von Fermersleben statt zum Kloster Berge zur Sankt-Ambrosius-Kirche in Sudenburg gingen. Wieso sie diesen noch weiteren Weg auf sich nahmen ist unklar, möglicherweise gab es Vorbehalte gegen die Klosterkirche. Bereits 1570 wurde das Kirchenschiff der Fermersleber Kirche von den Fermerslebern jedoch neu aufgebaut. Der Turm war erhalten geblieben. Eine andere Quelle datiert den Turm erst auf das Jahr 1716, wobei sie sich möglicherweise lediglich auf eine in der Vergangenheit auf dem Turm befindliche Wetterfahne bezieht, die die Jahreszahl 1716 trug.

Seit 1563 war Martin Gallus seelsorgerisch für Buckau und Fermersleben zuständig. Ulner führte 1565 im Kloster Berge die Reformation ein. Gallus wurde der erste evangelische Prediger Fermerslebens. Die erste evangelische Predigt in Fermersleben wurde am 9. September 1565 gehalten. Nach dem seit 1570 wieder Gottesdienste in der wiedererrichteten Kirche stattfanden, wurde er zum Gottesdienst jeweils mit Pferd und Wagen vom Kloster Berge abgeholt und danach zurückgebracht.

Während des Dreißigjährigen Kriegs, vermutlich 1631, wurde die Kirche erneut zerstört. Die Fermersleber besuchten den Gottesdienst der Salbker Kirche.

Der heutige barocke Saalbau stammt nach der Inschrift über dem nördlichen Portal aus dem Jahre 1657. Das Innere des Kirchenschiffs wird von einer flachen Decke überspannt. Der Kanzelaltar entstand 1697. Die Fenster sind zum Teil als kleine Segmentbogenfenster noch im Stil der Spätrenaissance ausgeführt. Die größeren rechteckigen Fenster sind etwas jüngeren Datums. Der im Osten angefügte Altarraum ist dreiseitig ausgeführt. Das Dach des Kirchenschiffs, bis in die 1980er Jahre noch mit Holzschindeln gedeckt, ist heute ein spitzgiebliges Ziegeldach. 1716 wurde die Kirche einer umfangreichen Erneuerung unterzogen. Nach der französischen Besetzung im Jahr 1806 diente die Kirche zeitweise als Pferdestall für in Fermersleben befindliche französische Truppen. 1903 wurde Fermersleben eine eigenständige Pfarrgemeinde.

Am 13. Mai 1928 erhielt die Kirchengemeinde den Namen Martin Gallus. Ein neuer Gemeinderaum in der Mansfelder Straße 6 wurde am 11. November 1930 eingeweiht.

Im Jahr 1933 wurde vor der Kirche eine Hitlereiche gepflanzt. Innerhalb der Kirche hing man je ein Bild von Adolf Hitler und Paul von Hindenburg auf und weihte sie. 1937 stellte die Kirchengemeinde der mit dem Aufbau der Siedlung Fermersleben befassten Baugenossenschaft für Kleinwohnungen Ackerflächen zur Bebauung zur Verfügung. Der Beginn des Zweiten Weltkriegs stellte auch für die Gallus-Gemeinde einen Einschnitt dar. Ein kleineres Problem hierbei war noch das Erfordernis der Verdunkelung der Kirchenfenster auch bei kirchlichen Festen wie dem Weihnachtsgottesdienst. Als im Zweiten Weltkrieg auf dem nahen Rangierbahnhof am 14. April 1945 Munitions- und Benzinwaggons explodierten, wurde die Kirche durch die Druckwellen erheblich beschädigt. Vom Dach wurden Ziegel heruntergerissen, Fenster eingedrückt, und im Inneren trugen die Decke und die Orgel Schäden davon.

Zunächst war die Kirche nicht mehr benutzbar. Die Instandsetzungsarbeiten erfolgten in den Jahren 1949 und 1950. Hierbei wurden ursprünglich vorhandene seitliche Emporen sowie die hölzerne Abtrennung des Chorraumes, die nur zwei Durchlässe hatte, entfernt. Emporen und Abtrennung waren durch die Kriegsschäden besonders in Mitleidenschaft gezogen worden. Die Raumwirkung des Kircheninneren wurde dadurch letztlich verbessert und ab 1950 fanden wieder Gottesdienste statt. 1946 wurde der Religionsunterricht an der Schule eingestellt, worauf die Kirche die Christenlehre aufbaute. Durch den bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erfolgten Bau der Siedlung Hopfengarten im westlichen Teil der Gemarkung Fermersleben, machte sich eine Neuordnung des Gebiets der Kirchengemeinde erforderlich. 1947 beschloss die Kirchengemeinde Fermersleben alle Gebiete westlich der Eisenbahnstrecke Magdeburg-Leipzig der im Hopfengarten entstandenen Christusgemeinde anzugliedern.

Die in Buckau ansässige katholische Sankt-Norbert-Gemeinde schlug 1974 die Bildung eines gemeinsamen Kontaktausschusses vor. Der Gemeindekirchenrat nahm den Vorschlag an, so dass sich in der Folgezeit eine ökumenische Zusammenarbeit ergab.

Eine weitere Sanierung der Kirche erfolgte 1990.

Im Mai 1995 wurde ein seit November 1993 vorbereiteter Gemeindeverbund mit der Sankt-Stephanus-Gemeinde Westerhüsen, der Sankt-Gertraud-Gemeinde Salbke und der Sankt-Gertrauden-Gemeinde Buckau geschlossen. Die Verwaltung des neuen Pfarrsprengels wurde in Buckau eingerichtet. Pfarrer für alle vier Gemeinden wurde der bis dahin in Salbke tätige Pfarrer Wolter. Ab 1996 begannen jedoch bereits Überlegungen aus den vier Gemeinden ein Kirchspiel zu bilden, welches dann am 1. Januar 1999 gegründet wurde.

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