Wissenschaft im Rathaus: Epigenetik – Wie frühkindliche Stresserfahrungen vererbt werden können

25.03.2019 ab 19:00 Uhr in Altes Rathaus Magdeburg, Alter Markt 6: mit Prof. Dr. Jörg Bock, AG »Epigenetik und Strukturelle Plastizität« Institut für Biologie, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg Die Entwicklung funktioneller neuronaler Netzwerke beruht auf einem komplexen Zusammenwirken von genetischen Vorprogrammierungen und Umwelteinflüssen. Neuere Studien zeigen, dass Stresserfahrungen vor und während der Geburt diese Entwicklungsprozesse negativ beeinflussen können und daher ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung psychischer Störungen wie Depression, Angsterkrankungen oder ADHS darstellen. Andererseits kann die erfolgreiche Bewältigung früher Negativerfahrungen aber auch zu angepassten Veränderungen der neuronalen Strukturen führen, die sich in späteren Lebensphasen durch verbesserte Stressbewältigungsoptionen (Resilienz) zeigen. Die angesprochene Interaktion zwischen Umweltfaktoren und genetischer Vorprogrammierung wird von sogenannten epigenetischen Prozessen moduliert, einer übergeordneten Ebene der genetischen Regulation. Neuere Befunde weisen daraufhin, dass umweltinduzierte epigenetische Veränderungen auf Nachfolgegenerationen übertragen werden können. Sie werden daher als einer der Hauptmechanismen der transgenerationalen Übertragung traumatischer Erfahrungen diskutiert.